Irgendwas ist ja immer. Aber in der Vorweihnachtszeit noch ein bisschen mehr. Hauptsächlich bei meinen geliebten Nachbarinnen. Im Moment bin ich begehrt wie ein Tausend-Euro-Schein. Endlich ist mal  jemand verfügbar, den man auf große Einkaufsfahrt schicken kann und der nicht mit stundenlanger Verspätung, einer Grog-Fahne und einer allenfalls halb abgearbeiteten Liste nach Hause kommt. Nicht, dass ich nicht schon jede Menge Luxusgüter aus der Stadt rangeschafft hätte – nein, jetzt geht es um die entscheidenden Kleinigkeiten, die zu einem gelungen Fest gehören. Fünfzig Meter Ersatz-LED-Lichterketten, zum Beispiel. Nein, die alten hängen erst seit gestern. Und leuchten wie verrückt. Aaaber wenn mal was damit passiert …! Zwei Zentner Streusalz zur Sicherheit. Für jeden. Die Scheunen liegen zwar noch voll von den Vorjahresresten, aber wenn es wirklich glatt wird und die Preise steigen, ist man besser vorbereitet. Die vielen Toilettenpapiergroßpackungen, die ich schon verteilt habe, konnte ich gar nicht zählen.

 Eigentlich wollte ich mich in aller Gemütlichkeit an den Rechner setzen und »Verliebt in Friesland« den letzten Schliff verpassen. Immerhin ist meine Tiefkühltruhe mit verschiedenen Pizzen randvoll gestopft und sämtliche Weihnachtsgeschenke warten seit drei Wochen, bunt eingepackt, auf  liebevolle Verteilung – also, ich wäre dann soweit …!

  Sie müssen mir einfach glauben, dass ich Sie normalerweise viel lieber mit skurrilen Friesland-Stories unterhalten und schon ein paar Kapitelchen für »Neulich in Friesland« schreiben würde. Aber meine Deichmädels haben bessere Verwendung für mich. Ich halte mich also bis auf weiteres aus den sozialen Medien raus und lasse stattdessen ab der nächsten Woche an genau dieser Stelle Kea, Aahlke und Eilsine zu Wort kommen. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Vielleicht steht sogar Menno für ein Interview zur Verfügung. Für ein kurzes, wenigstens.

  Sie haben außerdem die einmalige, exklusive Möglichkeit, alle Fragen, die Sie meinen Nachbarn schon immer mal stellen wollten, in den Kommentaren loszuwerden. Diese werden dann in einem gesonderten Posting beantwortet. Oder auch nicht – wenn es sich um Tant‘ Aahlkes Geheimrezept für Neujahrskuchen oder Tant‘ Keas persönliches Windmühlen-Häkelmuster handeln sollte.

  Ich winke einstweilen live vom Deich in Ihre Richtung und wünsche Ihnen eine richtig schicke, glückliche Adventszeit.

Herzlichst

Ihre Karen Christiansen


Heute ist einer der zehn aufregendsten Tage des Jahres - meine Deichmädels und ich fahren in die »Stadt«, um unseren Weihnachtsgeschenke-Beutezug zu erledigen. Vorsichtshalber hab ich

alle Einkaufslisten vorher eingesammelt und einen detaillierten Ablauf-Plan erstellt. Wenn also nicht wieder ein unvorhersehbares Sonderangebot mit Übergangsjacken dazwischen kommt, müssten wir

spätestens zum Tee wieder zu Hause sein. Drücken Sie mir die Daumen und halten Sie sich von der Innenstadt fern - die Friesen sind los!

 


Draußen ist hohe Luftfeuchtigkeit und Sie haben zwar ein gemütliches Sofa, aber nichts zum Lesen? Da könnte ich Ihnen glatt was empfehlen!

 

Sie erhalten »Verrückt nach Friesland« in der Buchhandlung Ihres Vertrauens oder über die üblichen Online-Anbieter.

Fröhliche Grüße vom regennassen Deich in die Runde gewinkt...!

https://www.amazon.de/dp/3744841391/ref=cm_sw_r_cp_dp_T2_9qDvzb35DK2Z3


Von einem Sonntagsspaziergang über Claasens Wiesen würde ich heute unbedingt abraten. Ich erwähnte gestern aus Spaß in trauter Nachbarschaftsrunde, dass ich die überaus seltene, vom Aussterben bedrohte »Deichlerche« sichten konnte. (Alauda positos aggeris vulgaris – bitte nicht googeln, das hab ich mir nur ausgedacht) Damit würden wir bestimmt nicht nur beim Naturschutz und der Gemeinde, sondern sicherlich sogar bei der EU ganz groß rauskommen. Nun – seit Sonnenaufgang schleicht Focko mit der großen Schrotwumme und Mordlust im Blick über’s Grundstück und will dem lästigen Bodenbrüter ans Fell, damit es nicht noch einen Baustopp für Claas‘ neue Biogas-Anlage gibt.

 

Tragen Sie auf jeden Fall eine grelle Schutzweste – Focko ist extrem kurzsichtig!


Gerade mal überlegt: Wenn ich den Blaukehlchen-Jungvögeln, die musikalisch noch nicht »festgelegt« sind, mal einen ollen Ghettoblaster mit dem »River-Kwai-Marsch« auf Endlosschleife  an den Graben stelle  und sich die Viecherchen als kooperativ und lernwillig erweisen – wie lange wird es dauern, bis (gefühlte) Millionen Touristen mit breitem Grinsen unter zwanghaften Mit-Summen die Deichstraße rauf und runter radeln? Ob wir damit sogar ins Fernsehen kommen???

 

Nicht vergessen: Friesland – gute Laune garantiert!


Blaukehlchen sind unter anderem als ausgezeichnete Stimm-Imitatoren bekannt. Na gut – sonst ist ja auch nicht viel los bei uns am Deich. Da haben sie echt viel Zeit zum Üben. Allein auf der kurzen Fahrrad-Strecke zum morgendlichen Brötchenholen passiere ich vier verschiedene Brutreviere und habe das Vergnügen von genau so vielen unterschiedlichen Gesangsdarbietungen der jeweiligen Clan-Chefs Max, Moritz, Alfred und Hugo. Aber gestern hat mich der täuschend echt performte Atemnot-Anfall als Krönung eines minutenlangen Raucherhustens von Hugo doch arg irritiert. Bitte – wer ihm DAS                                                                                                                     beigebracht hat, sollte doch fix mal zum Arzt gehen!


Bei der wöchentlichen Nahrungssuche im Supermarkt stand ich wieder einmal völlig fasziniert vor dem regalfüllenden Überangebot an »Katzen-Milch«. Obwohl ich mir ja den Melkvorgang unheimlich kompliziert und möglicherweise sogar traumatisch für alle beteiligten Parteien vorstelle, gefällt mir die Geschäftsidee »Katzen-Farm« total gut. Wie viele von den pelzigen Kumpels passen wohl auf ungefähr 2 Hektar Land, wenn die Haltung als ökologisch wertvoll, bodennah und artgerecht von der EU subventioniert werden soll? Und – ganz wichtig – mit wie vielen Flauschies beginne ich, damit (bei durchschnittlicher  Vermehrungsrate) nicht nach ein paar Wochen ein heilloses Katzen-Gedrängel am Deich losgeht???


Wurde vorhin in stockfinsterer Nacht brutal aus dem Schönheitsschlaf gerissen. Händels »Halleluja« dröhnte durchs ganze Haus, aber volle Möhre! Während mein Kreislauf auf Betriebstemperatur hochfuhr, kam ich in ‘s Grübeln. Hat der Weltuntergang etwa schon ohne mich angefangen? Die chorale Lautstärke steigerte sich klirrend, bis ich entdeckte, dass sich unser Gast-Hund Wotan schlafgestört aus purer Langeweile in die pädagogisch völlig wertlose Fernbedienung unserer High-Tech-Dolby-Surround-Gebäudebeschallungsanlage  verbissen hatte. Die beiden voneinander zu trennen,  dauerte bis zum Sonnenaufgang.  Jetzt erst mal  ‘nen Kaffee – aber sowas von! Wenn ein Tag so furios anfängt, kann er ja nur extrem genial werden – oder was meinen Sie? Ich wünsche es Ihnen jedenfalls von Herzen und winke fröhlich vom Deich in Ihre Richtung.


Breaking news: Hurra, es ist vollbracht - wer einen Blick in's Buch riskieren möchte, kann es hier tun! Viel Spaß dabei und besonders fröhliche Grüße vom Deich!


Liebes Tagebuch!

Dreihundert Meter hinter unserem Haus beginnt das öffentliche Paradies.  Man trifft nicht nur unendliche Weite und atemberaubende Lichtsituationen, sondern auch zugvogelartig einfallende Touristenpärchen, die sich unendlich viel zu erzählen haben. Nichts Nettes, meistens. Und ganz oft auch ganz laut. Haben die alle kein Zuhause? Die Zahlung der Kurtaxe berechtigt nicht automatisch zur Verletzung der Gefühle Eingeborener! Jedenfalls kann ich  »Friesland macht sprachlos« auf gar keinen Fall »Sie-wissen-schon-wem« anbieten. Natürlich würde eine klar definierte Zielgruppe sofort darauf abfahren – aber etliche genervte Männer würden nach dem Urlaub enttäuscht eine weitere Möglichkeit zur Erlangung ehelicher Ruhe als wirkungslos abhaken müssen. Wie viel Wahrheitsgehalt muss so ein Werbe-Slogan rechtlich gesehen eigentlich haben? Ob fünf Prozent Erfolgsgarantie ausreichen? Oder vielleicht zwei?

 


Liebes Tagebuch!

 

Es ist eine unbestrittene Tatsache, dass zu einem gelungenen Urlaub ganz viel Landluft und Liebe gehören. Weil man aber davon allein doch nicht leben kann, werde ich nachher dem heimischen Deich verlassen, um beim Schlachter meines Vertrauens warme Mahlzeiten »auf Vorrat« zu bunkern. Auf dem Weg dorthin kann ich gleich mal persönlich bei der Tourismus-Behörde vorbeifahren. Bestimmt warten die schon auf meinen brandneuen Slogan  –  auch wenn die genervten Damen dort anscheinend das Faxgerät längst ausgestöpselt haben und sich der AB von meinen Vortags-Anrufen noch nicht erholt hat.

»Friesland macht glücklich!«  (Und wehe, wenn nicht!)


Liebes Tagebuch!

Die gestrige Regenpause habe ich genutzt, um endlich mal meine Spracherkennungssoftware zu dressieren. Ich wundere mich immer wieder, woher mein Computer diese vielen schrecklich obszönen Wörter kennt. Scheint eine Art »Daten-Tourette« zu sein. Von mir hat er das ganz gewiss nicht. Im Übrigen ist eine nahezu übermenschliche Koordinationsfähigkeit von Vorteil, wenn man beim Diktieren am Headset vorbei Kaffee trinken will. Oder Tee. Oder sonst etwas Lebenswichtiges anstellen möchte. Daran arbeite ich dann heute weiter.

 

Jedenfalls grüße ich Sie fröhlich winkend vom Deich und wünsche Ihnen einen wundervollen Sonntag.


Never say never …!

 

Kaum ist das Manuskript zu »Verrückt nach Friesland« beim Verlag, fange ich an, die frühmorgendliche Schreibarbeit zu vermissen. Vor zwei Wochen war ich noch dem Nervenzusammenbruch nah – heute hab ich mich schon bei »was wäre, wenn…« ertappt. Ob ich vielleicht einfach noch ein bisschen mehr Deich-Comedy nachliefere? Wie klingt (natürlich rein hypothetisch) eigentlich »Verliebt in Friesland«? Boooah – das erste Buch ist noch nicht mal im Handel (geschweige denn, verkauft) und schon den Nachfolger raushauen??? Tsss, tsss, tsss! Muss gleich mal die Leitsymptome von »Größenwahn« googeln. Aber nun höre ich auf, mich ganz weit aus dem Fenster zu lehnen (kann eh‘ nix passieren – unsere Küche ist im Erdgeschoss) und grüße Sie besonders fröhlich live vom schönsten Ende der Welt.


Liebes Tagebuch!

Urlaub ist was Feines – kann ich nur empfehlen! Ich bin erst seit ein paar Stunden zuhause am Deich, aber schon megamäßig tiefenentspannt – noch ein bisschen mehr und ich könnte nicht mal aufrecht stehen. Das wäre aber ungünstig, weil ich gleich nach dem Frühstück unserem Nachbarn Focko im Lämmer-Stall helfen möchte. Nun – er sieht mein Eingreifen weniger als Hilfe denn als Belastung, weil ich mich stundenlang mit dem Fell-Design der flauschigen Viecher beschäftigen kann und dazu noch Unmengen der teuren Farbe verbrauche. Aber vielleicht lässt er sich ja von meiner umsatzfördernden Geschäftsidee »Style your own sheep« überzeugen. (Hab’s gerade der Tourismusbehörde auf den Anrufbeantworter getextet.) Was sonst noch passiert ist? Lesen Sie bitte selbst im Deich-Blog auf www.neulich-in-friesland.de!


Liebes Tagebuch!

Nachdem ich das Manuskript zu »Verrückt nach Friesland« zum Verlag geschickt hatte, wollte ich einfach mal ein paar Tage NICHTS tun. Oder nur das Allernötigste. Das klappt  meistens so gut wie »Kinderkriegen im Kopfstand« –  also gar nicht. Weil ich aber ab nächstem Mittwoch Urlaub habe, lasse ich jeglichen Stress einfach an mir abperlen, rocke den Deich und freue mich wie verrückt über jede einzelne Minute Frühling.

 

Hey - ich wohne am schönsten Ende der Welt in einer skurrilen Nachbarschaft, die IMMER für eine Überraschung                                                                                                                   gut ist – mehr Glück geht nicht, oder?!


Liebes Tagebuch!

Nur mal so überlegt: Bestimmt haben sich viele karnevalsflüchtige Touristen mit hundert intellektuellen Ausreden und demonstrativer sozialer Missbilligung öffentlicher Verkleidungs-Rituale von ihrem Herkunftsort nach Friesland verabschiedet (»Ruhe – Frieden – …« ... na, Sie kennen den Text). Müssten diese Herrschaften nicht eigentlich vor Angst zittern, dass ihrem gewohnten häuslichen Umfeld mal ganz zufällig ein pikantes Video zugespielt wird, auf dem eindeutig zu sehen ist, wie Herr Oberstudienrat M. mit Frau Doktor W.-F. und dem netten Diplom-Psychologen-Pärchen aus D. vollvermummt auf Claasens Hof Polonaise um den Hühnerstall macht??? (Ja, klar hab ich da die Kamera draufgehalten! Nein – ich zeig’s nur für Geld. Viel Geld!)


Liebes Tagebuch!

Gestern hab ich gefühlte tausend Mal ein Lied gehört, welches verspricht, dass man umgehend zur gutaussehenden Fleisch-Mahlzeit wird, wenn man sich eine Zwiebel auf den Kopf legt. Davon abgesehen, dass ich mir das a) schrecklich geruchsintensiv vorstelle und b) absolut nicht glauben mag, fand ich es c) ziemlich befremdlich, dass die Hardcore-Vegetarier-Fraktion von Tant’ Eilsines Feriengästen am lautesten mitgesungen hat.


Liebes Tagebuch!

Können Sie sich vorstellen, dass sich Claasens aktuelle Feriengäste, denen wir in unserer grenzenlosen Güte als offiziellen Karnevalsflüchtlingen teures Asyl gewährt hatten, gestern Abend praktisch um Tant‘ Eilsines Nähmaschine geprügelt haben, um noch letzte Änderungen an ihren mitgebrachten Faschings-Kostümen vorzunehmen? Also, wenn dieser Rosenmontags-Anblick die Milchleistung unserer Rindviecher senkt, rufe ich sofort direkt mal bei der EU an – und bei der Tourismusbehörde sowieso. (Die hab ich jetzt auf »Kurzwahl«!)

 


Liebes Tagebuch!

Willkommen zur einhundertsten Ausgabe des »Deich-Diary«!  Ich hätte ja selbst nie gedacht, dass an unserem schönsten Ende der Welt doch so dermaßen viel  berichtenswerte Action tobt. Bleiben Sie mir weg mit Harmonie und Idylle! Der mentale Vorsatz »jeden Tag eine gute Tat«  reicht  hier sowieso meistens nur bis zum Mittag – danach muss es entweder eine zweite sein oder eine eher nicht so gute.

Jedenfalls danke ich Ihnen von Herzen für Ihre aktive Anteilnahme an unserem ländlichen Gewusel und                                                                                                          grüße Sie besonders fröhlich winkend live vom Deich.

                                                                                                   Nicht vergessen: FRIESLAND ROCKT!

 

(Ob bei der Tourismus-Verwaltung wohl sonntags jemand ans Telefon geht? Und wie mögen die Damen dort reagieren, wenn ich mich mal hochoffiziell mit »The voice of Friesland« melde???)


Liebes Tagebuch!

Nach Regen kommt Sonne – oder noch mehr Regen und auffrischender Wind dazu. Wollen wir uns mal nicht beschweren – irgendwo in Afrika gibt es bestimmt etliche Gegenden, die auf uns neidisch sind! Im Übrigen ist »Wetter« doch irgendwie wie »Schwerkraft«. Allgegenwärtig, bestimmt total nützlich, zur falschen Zeit am falschen Ort nicht immer sooo toll – aber beim besten Willen nicht zu ändern. Wechseln wir also das Thema und freuen uns auf’s Wochenende.

Ich winke fröhlich vom wohl aufregendsten                                                                                                                     Abenteuerspielplatz an der Küste in Ihre Richtung.

 

»Friesland - Freiheit vom Deich bis zum Horizont!« (Schon wieder so ein schräger Slogan. Scheint ’n Lauf zu sein. Wo hab ich bloß die Telefonnummer von der Tourismusbehörde abgespeichert???)


Liebes Tagebuch!

 

Heute wird es windig im Norden. Das ist ungeheuer praktisch, weil Tant’ Eilsine die Ferienwohnungen für die angekündigten Karnevalsflüchtlinge ordentlich durchlüften will. Soll ja alles frühlingsfrisch und porentief rein sein, wenn die (reichlich) zahlenden Gäste kommen. Warum gibt es eigentlich dermaßen viele Leute, die die  ganze Spaß-Gesellschaft doch nicht so wahnsinnig witzig finden? Wir hatten gerade erst über Weihnachten schon die ganzen Feiertagsverweigerer zu Besuch! Tut sich hier etwa ein Trend auf: »Ruhe – Frieden – Friesland«??? Muss gleich mal bei der Tourismusbehörde anrufen und rauskriegen, ob die meinen Slogan vermarkten wollen oder ob nicht schon das örtliche Bestattungsunternehmen ein Copyright darauf hat. 


Liebes Tagebuch!

 

Tant’ Aahlke wurde gestern volle Möhre von ’ner Hexe geschossen. (Gut, sie hat ja auch reichlich Treffer-Fläche.) Da sag noch mal einer was über weibliche Solidarität…! Meine Mädels können es echt nicht lassen – sie durchwühlen noch beim windigsten Stark-Regen ihre Vorgärten und würden wohl wahrscheinlich am liebsten gleich die neuen Pflanzlöcher mit Dynamit in den Permafrostboden sprengen. Ist ja bald Frühling – wissen Sie Bescheid?! Aber egal, wie das Wetter wird – die Frisur sitzt! (Uschi sei Dank.)


Liebes Tagebuch!

Gestern war in Uschis Frisurenstübchen mal wieder Angebotstag: 50 Prozent auf ALLES! Unglaublich, in welchem Zustand Kea, Aahlke und Eilsine nach Hause kamen. Nur so viel: Ich konnte mich ums Verrecken nicht zwischen den drei Optionen »schreiend wegrennen«, »gröhlend auf dem Boden wälzen« und »schnell eine Decke drüber werfen« entscheiden. Auch die berechtigten Fragen »Wann geht das wieder raus?« und »Trinkt Uschi etwa wieder???« hab ich mir verkniffen. Dummerweise hatten die dazugehörigen Gatten anscheinend nicht diese übermenschliche Selbstbeherrschung und mussten den restlichen Tag bei uns im Asyl verbringen. Als ich sie endlich vom Hof hatte, war der Kühlschrank leer und die Jungs voll. Mentale Notiz: Zukünftige Essensbestellungen beim Schlachter unbedingt vorher mit Uschis Preisaktionen abstimmen!


 

Liebes Tagebuch!

 

Kann mir mal bitte noch mal jemand dieses Ding mit dem »Karma« erklären? Nachdem in den letzten Tagen so viele Menschen völlig unerwartet und total grundlos unglaublich nett zu mir waren, müsste ich ja eigentlich im Gegenzug mit einer flächendeckenden Nettigkeitsaktion allererster Güte antworten. Ob es wohl reicht, wenn ich dem Igel einen Heizstrahler in die Scheune stelle und Fritzis Haselnüsse mundgerecht aufknacke? Muss ich Tant‘ Keas neue rosafarbene Häkelkreationen überschwänglich loben? Eventuell meinen geliebten Gatten mit einem selbstgekochten perfekten Dinner überraschen? Also – bevor ich gleich den Schlachter meines Vertrauens per Notruf aus dem Bett ins Kühlhaus treibe, würde ich gern Ihre Ansichten und Vorschläge zum Thema »Pimp my Karma« hören wollen.

Wie tue ich Gutes, wenn ein breit grinsendes »Moin« nicht ausreicht???


Liebes Tagebuch!

Hurra! Konfetti!! Feuerwerk!!! Jippiiiiiiieh – ich habe fertig und gerade das vorerst letzte Wort für »Verrückt nach Friesland« geschrieben. Gleich mal die mentale Checkliste für ein erfolgreiches Druck-Werk durchgehen: Schräge Typen und fiese Viecher? Jawoll, Häkchen dran. Sex and Drugs and Friesendance? Aber sowas von…! Wenn ich noch was vergessen haben sollte, fällt es mir spätestens beim dritten Korrekturlesen auf, hoffe ich.

Zur Feier des Tages gönne ich mir erst mal einen feinen Tee und winke tiefenentspannt vom Deich. Und im Übrigen                                                                                                                       wünsche ich Ihnen ein besonders flauschiges Wochenende…!

 


Liebes Tagebuch!

 

Der „Tag der offenen Tür“ beim Landmaschinen-Dealer scheint doch nicht ganz so gut gelaufen zu sein. Tant‘ Eilsine war beim Heimkommen ungewöhnlich einsilbig und Claas wollte sich gestern noch gegen 23.00 Uhr unsere große Kettensäge borgen. Sicherheitshalber hab ich das Teil vorher auf die Schnelle hochglanzpoliert, damit „CSI Ostfriesland“ nicht irgendwann wegen meiner Fingerabdrücke darauf ins Grübeln kommt – man kann ja nie wissen. 


Liebes Tagebuch!

 

Irgendwas ist ja immer – unser Wochenende am Deich scheint nur halb-ruhig zu werden. (Okay…das ist wie „ein bisschen schwanger“, aber Sie wissen schon, was ich meine.) Der Lieblings-Landmaschinenhändler von Claas hat „Tag der offenen Tür“. Aus Sicherheitsgründen und langjähriger Erfahrung lässt Tant‘ Eilsine ihn da ums Verrecken nicht unbeaufsichtigt hinfahren. Bei den Preisen selbst im Gebraucht-Schlepper-Segment ist das durchaus nachvollziehbar. Nun hab ich am Samstag Menno und Pelle an der Backe … zum Füttern und zum Bespaßen. Das ist jetzt aber nicht so wahnsinnig anstrengend, weil beide total auf Pizza abfahren und der Dackel auch schon sehr schön selbständig ist. 


 

Liebes Tagebuch!

 

Egal, wie windig ein Donnerstag daherkommt, deich-technisch gesehen ist er für mich immer „die Ruhe vor dem Sturm“! Die Vorbereitungen für’s Wochenende laufen planmäßig. Sämtliche Wunschzettel meiner Mädels sind abgearbeitet und die „last-order“ werden pünktlich 12.00 Uhr mittags eingeläutet. Freuen Sie sich mit mir auf eine entspannte Kreativ-Zeit ohne extreme soziale Herausforderungen. Manchmal klappt’s. Also – gelegentlich. Eher selten. Aber diesmal bestimmt.

Na ja … die Hoffnung stirbt zuletzt.


Liebes Tagebuch!

 

Das Neue Jahr ist schon ein paar Stunden alt, der Deich steht noch – und überhaupt sieht alles aus wie gestern oder vor einem Monat und ziemlich sicher sogar wie vor 100 Jahren.

 

Die wirklich schönen Dinge im Leben ändern sich eben nicht – sie werden nur mit der Zeit noch besser! Friesland gilt auch deshalb als unser heimliches Paradies, weil es in jeder denkbaren Beziehung eine unverrückbare, tröstliche Konstante ist.


Liebes Tagebuch!

 

 

Während die gefiederten Wattbewohner bereits ihr ökologisch korrektes Sylvester-„Feuerwerk“ proben, möchte ich Ihnen an dieser Stelle fix von Herzen ein wirklich gutes, friedliches Neues Jahr wünschen – mit Glück, Gesundheit, Liebe und erfüllten Träumen. Möge jeder einzelne Tag für Sie mit einem Lächeln beginnen und voller Vorfreude auf den kommenden enden. Ich winke vom Deich in Ihre Richtung und grüße Sie wie immer fröhlich aus den unendlichen Weiten Frieslands.


Liebes Tagebuch!

 

Ist „Jammern“ jetzt gesellschaftlich anerkannter Volkssport?! Gab es irgendwo VHS-Kurse „Klagen auf hohem Niveau“ als Pflichtveranstaltung? Wird „gnäckern“ demnächst Pflicht? Okay, dann probier ich’s auch mal: Hat sich eigentlich schon mal jemand Gedanken darüber gemacht, wie schwer es eigentlich gutgelaunte, entspannte Leute heutzutage haben? Man wird ausgegrenzt, diskriminiert, beargwöhnt – und muss inzwischen schon jedes Grinsen begründen – DAS ist soziale Härte, meine Lieben! Das müssen Sie erst mal toppen!!!


Liebes Tagebuch!

 

Ich hab den schönsten Arbeitsweg der Welt – immer geradeaus, am Ende zweimal rechts abbiegen … und schon bin ich in der Stadt. Außer natürlich, wenn mir unterwegs einfällt, dass ich vergessen habe, die Kaffeemaschine auszustellen. Dann wird es schwierig, für meinen Trecker eine Stelle zum Wenden zu finden. Da hilft es auch nicht, die Deich-Mädels um notfallmäßiges Eingreifen zu bitten – englisch sprechende Küchengeräte sind von nachbarlicher Neugierde ausgenommen. 


Liebes Tagebuch!

Aha – genau hier ist also Vineta. Oder war’s Atlantis? Man müsste echt mal das Navi up-daten! Aber bei der ganzen Weitläufigkeit in Friesland ist es wirklich nicht immer leicht, den Überblick zu behalten. Jedenfalls: Wenn Sie den „Heiligen Gral“ suchen sollten – DER liegt bei uns im Schrank.  (Neben der Bundeslade, hinter den Socken…!)

So viel Ordnung muss sein!


 

Liebes Tagebuch!

Sternenklare Nächte, sonnige, frostige Tage … Bilderbuchwetter für ein Wintermärchen, stimmt’s? Wenn man frühmorgens auf die reifbedeckte Wiese geht, meint man fast, am Horizont verzauberte Einhörner zu beobachten. Hoffentlich haben sich die Elfen und Trolle warm angezogen…mit ganz kleinen Schals um den Hals und winzigen Handschühchen. Wie bitte? Es gibt gar keine Elfen, Trolle und Einhörner? Und keinen Weihnachtsmann? Ja, also – dann hat wohl unser Igel gestern die Nikolauskekse gefressen und das Näpfchen Milch für die                                                                                                                                               Rentiere ge-ext. Aber - ganz unter uns – so richtig sicher                                                                                                                       wäre ich mir da mal so gar nicht.

                                                                                                                Sie wissen doch: Friesland ist MAGISCH!


Liebes Tagebuch!

So langsam rückt der Weihnachtsurlaub in greifbare Nähe. Das ist einerseits richtig fein, andererseits geben die Deich-Mädels noch mal ALLES, was die Bestellungen von „Luxusgütern“ aus der Stadt angeht. Wie viel Häkelgarn kann Tant‘ Kea in zwei Wochen verbrauchen? Was macht Tant‘ Aahlke mit den ganzen Großpackungen Abführmittel? Wozu braucht Tant‘ Eilsine  sechs Verbandskästen??? Jedenfalls bedeutet das, dass ich auf den letzten Metern vor den Ferien praktisch jeden Tag Einkaufen gehen muss.

Es ist schon ein echt schmutziger  Job – aber irgendjemand muss ihn schließlich machen!


 

Liebes Tagebuch!

Bei uns am Deich ist es gerade menschenleer.  Man hört nur das Kreischen der Zugvögel, das leise Schmatzen der Schafe und das Knistern des Watts. Wenn man dann noch einen Tag voll mit magischem Licht geschenkt kriegt, kann man ruhig mal vor Glück jubeln, kreischen und hüpfen. „Ganzkörper-Freu“, sozusagen.

Irgendwie ist in Friesland jeder Tag wie Weihnachten – voller Überraschungen. Die schönsten Dinge im Leben sind eben kostenlos!


Liebes Tagebuch!

 

Gerade ist mir eingefallen, warum ich DOCH NICHT gerne REICH, BERÜHMT und SEXY sein möchte … es wäre viel zu anstrengend! Boooah, die ganzen Spendenanfragen und Fanpost zu beantworten, kostet doch sicherlich `ne Menge Zeit, die ich üüüüberhaupt nicht habe. Dazu Friseurtermine, Fotoshootings und Fernseh-Interviews  – das ganze Landleben geriete aus den Fugen … unverantwortlich! Eigentlich sind „gesund“, „glücklich“, „total verliebt“ und „ein bisschen durchgeknallt“ völlig ausreichend, um durch den friesischen Alltag zu kommen. Ich grüße Sie (im Allgemeinen) und die ganze Werbe-Industrie (im Besonderen) breit grinsend fröhlich vom Deich!


Liebes Tagebuch!

 

Wussten Sie eigentlich, was man alles angezeigt kriegt, wenn man bei einem großen Online-Versand-Händler „Konserve“ und „Gummi“ eingibt? Tant‘ Kea braucht ganz dringend diese roten, runden Dinger, um ihre Winterbevorratung auf den neuesten Stand zu bringen. Hab gerade jede Menge Sachen angeguckt, die ganz eindeutig wie ziemlich brutale Sexspielzeuge aussehen. Das kann sie doch unmöglich gemeint haben?! Und wenn doch: Uuuupps!!!


Liebes Tagebuch!

 

Hurra, es ist MONTAG! (Hey, das war ein Witz!!!) Mal ganz ehrlich – haben Sie auch das Gefühl, dass man montags immer ein bisschen urlaubsreifer ist als sonst? Sicherheitshalber hab ich gerade mal in den Kalender geguckt – doch, stimmt, noch dreimal umblättern – dann wird’s weihnachtlich am Deich. Von turbulent, verfressen, intrigant und letztendlich doch besinnlich ist das ganze Gefühlsspektrum abgedeckt. Das Beste, was man über Familienfeiern sagen kann, ist doch, dass es hinterher keine Schwerverletzten gab, alle satt geworden sind und man jede Menge Gesprächsstoff hat. Da ist es irgendwie schade, wenn der heutige Montag rum ist – ein Tag weniger „Vorfreude“.


Liebes Tagebuch!

 

Kennen Sie das Gefühl, wenn man morgens in den Spiegel guckt und sich daran erinnert, dass nächste Woche der Sperrmüll raus muss? Dass man den Begriff „Faltenwurf“ weder mit „Platten-Tektonik“ noch mit „Scheiben-Gardine“ assoziiert? Dass im Radio die Hits der Achtziger als Oldies angekündigt werden? Muss ich mich vielleicht für den VHS-Kurs „In Würde altern“ voranmelden? Oder reicht es für den Anfang, wenn ich meine morgendliche „Dekorations-Routine“ erst mal ohne Brille absolviere?


Liebes Tagebuch!

 

Gerade im Moment können wir uns am Deich vor Feriengästen nicht retten. Da kriegt der Begriff „Zugvogel-Tage“ eine völlig neue Bedeutung. Naturverrückte Leute fallen in Scharen ein – Eilsines Ferienwohnung ist dreifach überbucht. Verständigungsprobleme sind vorprogrammiert. Ernsthafte Ornithologen (im schlimmsten Fall mit veganem Hintergrund) wollen nicht unbedingt die Kriegsgeschichten von Claas und Focko hören („damals, als wir die Wildenten noch mit Sperrfeuer aus der Schrotflinte beharkt haben…!“)  und verweigern dazu schon beim Frühstück (Schmalzkuchen mit Speck) die Nahrungsaufnahme. In solchen Härtefällen greifen meine Mädels gern zum Telefon und reichen selbiges automatisch an ihre Gäste weiter, damit ich hochdeutsch schadensbegrenze. Je nach Lust und Laune verrate ich den enthusiastischen Outdoor-Fanatikern hochgeheime Insidertipps zum „ultimativen Vögel-Erlebnis“ und schicke sie mindestens knöcheltief (und das auch nur, wenn ich gerade GUT drauf bin) in die gubbeligen Salzwiesen. Das ist immer eine total ganzheitliche Matsch-Erfahrung.  Wenn meine Deich-Mädels anschließend die Zimmer putzen müssen, haben sie weniger Zeit, mich mit Panik-Anrufen zu nerven. 


Liebes Tagebuch!

November in Friesland? Für Insider ein wirklich wundervoller Monat. Sturmböen, Hagelschauer, magisches Licht – für jeden ist etwas dabei. Man steht auf dem menschenleeren Deich, guckt „MARE-TV“ live und unplugged, beobachtet, wie sich die Schafe in den Gegenwind stemmen und lauscht den düsenjägerartigen Fluggeräuschen der Zugvögel. Unbeschreiblich das Gefühl, wenn der Schwarm endlich hinter’m Horizont verschwunden ist, ohne das eins von den Biestern auf’s Kameraobjektiv gekackt hat.

 

Eine Handvoll Glück ist eben besser als ein Haufen Verstand!


Liebes Tagebuch!

 

Heute freue ich mich ganz besonders auf’s freie Wochenende, weil ich einen neuen Drachen habe. Das ist nicht etwa ein frieslandtypisches Haustier oder die Umschreibung für „Zweit-Mann“, sondern ein amtliches Fun-Sport-Gerät. Bestimmt haben Sie bei einem Nordsee-Aufenthalt schon den einen oder anderen Kite-Surfer gesehen. Ja, genau. Diese harten Hunde, die in Neopren-Pelle durch die Wellen toben, gelegentlich einen Hüpfer riskieren und hinterher am Strand halbkomatös mit Triefnase und Eiszapfen in den Haaren arglosen Touristen weismachen wollen, wie viel Spaß das Ganze macht. Macht es auch. Meistens. Wenn man vorher geübt hat. Lange. Seeehr lange. Oder ein Naturtalent ist. Ich bin keins. Aber die Industrie ist ja nicht doof. Überall auf der Welt zermartern sich fähige Designer die Köpfe, um auch dem letzten Durchschnittsfriesen mit speziell auf seine Bedürfnisse zugeschnittenen Fluggeräten vorzugaukeln, dass weder zu viel Wind noch zu geringe Körpermaße ein Hindernis sind, sich mal so richtig vor möglichst viel Publikum zum Affen zu machen. Natürlich falle ich fast jedes Jahr auf das aktuelle ultimative Drachen-Modell rein und bin jetzt extrem neugierig, wie lange es dauert, bis ich mich mit meiner Neuerwerbung auf eine gemeinsame Flugrichtung einigen kann. Dynamische Grüße vom Deich!


Liebes Tagebuch!

 

So eine Woche in der „Stadt“ vergeht wie im Flug. Neben der normalen Arbeit fallen dauernd scheinbar unzählige Verpflichtungen an, für die ich eigentlich den offiziellen Titel „Deich-Botschafter“ beanspruchen möchte. Natürlich ohne den damit verbundenen glamourösen gesellschaftlichen Hintergrund. Eher „Dorfdepp vom Dienst“. Einkaufen (für alle), Einschreiben zur Post bringen (Kea), Tierarzt-Termin vereinbaren (Pelle), Heiz-Pilz von der Reparatur abholen (Aahlke) – große Güte, ich hab bestimmt noch was vergessen und werde in abgrundtiefe soziale Ungnade fallen.  Ach, was soll’s – ich bin ja schon drin! Irgendwas hab ich an mir, das die alteingesessene Ur-Bevölkerung zum chronischen Kopfschütteln bringt. Ob die mich heimlich als „Ein-Personen-Bespaßungs-Kommando“ betrachten? Kann man eigentlich nach 5 Jahren Landleben noch einen „Welpen-Bonus“ geltend machen? Fröhliche Grüße aus Friesland!


Liebes Tagebuch!

Im Jahreskalender  jeder friesischen Hausfrau gibt es neben den hohen (mehr oder weniger offiziellen) Feiertagen, dem Frühjahrsputz und dem Krüllkuchen-Backen einen weiteren feststehenden Termin. Er heißt: „Klar machen zur Weihnachtsdekoration“! Typischerweise stellt man da nicht nur den ganzen Haushalt auf den Kopf, sondern scheuert auch die Fenster bis zum Exzess brutal-glänzend. (Starkregen und Eisgang sind keine Entschuldigung.) Sämtliche Weihnachtsgardinen, Tischdecken, Türkränze und sonstige Dekorations-Hardware liegen griffbereit, weil unverzüglich nach dem Totensonntag  „Advent“ befohlen ist. Unverzüglich? Aber sowas von! Gerade hab ich Tant‘ Kea vorsichtig telefonisch darauf hingewiesen, dass strenggenommen der offizielle Dekorations-Montag schon um Mitternacht beginnt. Warum bis zum Sonnenaufgang warten? (Wenn man nämlich „Erster“ ist, kann man die unweigerlich folgenden Plagiats-Vorwürfe viel besser verteilen … das belebt den Dorf-Klatsch auf das heftigste.) Sie war richtig dankbar für den Tipp und hat mir zum Wochenende eine Extra-Portion Krüllkuchen in Aussicht gestellt.

 

Gerade überlege ich, ob ich jetzt nicht auch noch Aahlke und Eilsine mit meinem Insider-Hinweis aufmischen soll … wetten Sie mit mir, ob Sonntagnacht am Deich alle Lampen an sind???


Liebes Tagebuch!

Man mag zum weihnachtlichen Konsum-Zwang stehen, wie man will – um nachhaltige soziale Ächtung zu vermeiden, muss man möglichst frühzeitig anfangen, sich um passende Geschenke für die liebe Nachbarschaft zu kümmern. Heute fange ich damit an und bin gerade mal  völlig planlos. Natürlich versprechen wir uns gegenseitig an jedem Heiligabend ganz fest, dass wir ab jetzt niiie wieder und ganz gewiss nicht noch mal … na ja.

 

Ich will Ihnen die Problematik mal verdeutlichen: Schenke ich Aahlke ein schickes Kochbuch, jagt sie mich feudelschwingend vom Hof. Kriegt Focko von mir Zubehör für seine Waffensammlung, müssen die Bisis darunter leiden. Musical-Karten für Eilsine? Dann hab ich schlimmstenfalls zwei Tage lang Sohn und Dackel an der Backe, weil die beiden an regelmäßige Mahlzeiten und zwischenmenschliche Bespaßung gewöhnt sind. Einen Bildband über Gartengestaltung für Kea? Ich sehe mich schon im Frühjahr in jeder freien Minute die ortsansässigen Garten-Center nach pinkem Blühzeugs und Gestrüpp abgrasen! Bis jetzt hab ich gerade mal zwei zündende Ideen: Den „Erotischen Landmaschinen-Kalender“ für Menno und ein Fresskörbchen für Pelle. Ich bin echt ganz dringend auf Ihre Mithilfe angewiesen und danke schon mal vorab für Ihre Inspirationen!


Liebes Tagebuch!

 

Auch, wenn Sie es nicht zugeben wollen – statistisch gesehen haben auch SIE schon mindestens einmal „Dschungel-Camp“ im Fernsehen geguckt. Oder davon gehört. Im besten Fall darüber GELESEN. Was für eine Warmduscher-Kuschel-Show! Gegrillte Insekten zu den Hauptmahlzeiten, zwischendurch ein bisschen im Matsch rumtoben - und eingeschränkter Kontakt zur Außenwelt als schlimmste aller sozialen Härten? Falls Sie sich mal in einem sehr speziellen Trainingslager auf die schwerste aller Dschungelprüfungen ever vorbereiten wollen, sind Sie herzlich nach Friesland eingeladen. Bei uns können Sie  stundenlang nach Herzenslust auf der Suche nach fremdgegangenen Wiederkäuern über’n frisch gegüllten Acker hoppeln. Zu sämtlichen Mahlzeiten gibt es täglich reichlich fettes Fleisch und exotische regionale Gemüsesorten wie Grünkohl und Bohnen. Nicht immer ist das „Hungern“ das Problem, sondern das „Aufessen“. Irgendwann werden Sie feststellen, dass  genau an EINER Stelle am Deich das Handynetz funktioniert – die Ernüchterung, dass Sie am anderen Ende des Satelliten wegen der dauernden Windgeräusche kein Mensch versteht, trifft Sie bestimmt genau so hart wie die Erkenntnis, dass das Pizzataxi nicht bis an unser „Ende der Welt“ liefert. Im Dschungel mag es ja ganz nett sein – aber „Überleben in FRIESLAND“ ist die wahrscheinlich letzte ultimative Herausforderung!      


Liebes Tagebuch!

 

Gestern war ein herrlich ruhiger Tag. Nach dem anstrengenden Kaufrausch waren meine Deich-Ladies anscheinend zu erschöpft, um zu völlig schrägen Zeiten unangemeldet bei uns reinzuplatzen. Erst so gegen Mittag (es war bestimmt schon 10.00 Uhr!) hockte Claas mit einem geradezu unanständig selbstzufriedenem Grinsen auf seinem Rasentraktor und hat unseren Hof nicht nur sauber, sondern porentief rein gefegt. Das war ungefähr zu der Zeit, als Focko gerade damit fertig war, unseren Trecker abzufeudeln und kurz bevor Krischan ein kleines Fresspaket mit ungefähr 40 Eiern brachte, damit wir die Woche in der Stadt überleben. Tja. „Shoppen“ macht anscheinend DOCH glücklich…!!!


Liebes Tagebuch!

Manchmal hat „Morgen-Übelkeit“ so gar nichts mit „Schwangerschaft“ zu tun. Mir ist heute deshalb ziemlich schlecht, weil meine Deich-Mädels nachher zum Mega-Shoppen in die Stadt kommen. Ob ich mich mal mit Atemübungen beruhigen sollte? Um diese frühe Uhrzeit verbietet sich hochprozentiger Alkohol aus sozialen Gründen. Vielleicht hilft ja Meditieren. Oder Joga. Wenn Sie morgen früh nichts mehr von mir hören sollten, ist unser Einkaufs-Abenteuer heftig in die Hose gegangen. In diesem Fall war es mir eine Ehre, Ihre Bekanntschaft gemacht zu haben. Falls Sie hingegen in den Medien von außergewöhnlichen Breaking-News aus Friesland erschreckt werden – die müssen Sie dann natürlich nicht zur Gänze glauben. Die Wahrheit liegt irgendwo das draußen … und ich mach mich jetzt mal auf den Weg!

 

 


Liebes Tagebuch!

Bin gerade auf den Psychotest „Sind Sie naturverbunden?“ gestoßen. Spontan hätte ich mich irgendwo zwischen „zwangsläufig“ und „muss ja“ eingeordnet, wollte dies nun aber etwas genauer wissen. Hmmm. Wie ich zu Walen stehe? Oooh, die mag ich. Gern sogar! Ich würde vielleicht keinen ganzen schaffen – aber die drei Punkte für ein „JA“ gönne ich mir. Ob ich schon mal einen Baum umarmt hätte? Also…ääääh…fix einen unbeobachteten Moment abgewartet, über’n Hof geschlappt und die olle Kastanie geknuddelt. Das Eichhörnchen hat mir `nen Vogel gezeigt, aber sonst ist nix passiert. Weder spirituell noch physikalisch. Pfffft. Friesland - "ZERO POINTS"! Beim Betreten des Wintergartens erwische ich den Igel, der anscheinend auf der Fußbodenheizung seine Flöhe aufwärmen will. Na, DEM hab ich aber was erzählt. Laut, deutlich - und streckenweise sehr undamenhaft. Damit hab ich für „Sprechen Sie mit Tieren?“ den Highscore eingesackt – samt Bonus und Telefon-Joker!

 

Hurra!!! Jetzt bin ich amtlich „sehr naturverbunden“ und grüße Sie fröhlich aus den unendlichen Weiten der grünen Hölle Frieslands.


Liebes Tagebuch!

Gerade bekam ich einen Anruf von unserem Briefträger. Ja, genau – UM DIESE UHRZEIT! Er hat im Moment ziemlich viel Zeit, weil Frauke letzte Woche zum Langzeit-Meditieren in irgendeine Sonneninsel-Kommune abgeflogen ist. Nun irrt er planlos durch die Gegend und bringt die Post schon mal um 04.00 Uhr ins Haus – auch, wenn keiner da ist oder alle noch schlafen. Jedenfalls schien er einem todesnahen Zustand entronnen zu sein, weil er fast beinahe auf unserem Hof einen groooßen Fuchs mit riesigen, glühenden Augen beim Reinklettern in seinen Dienstwagen erwischt hätte.

Nun ja. Unser Eichhörnchen ist eben nun mal ziemlich zutraulich und hockt sich gern mal auf’n weichen Polstersitz. Und so kurz vor’m Winter ist es auch ein klitzekleines bisschen adipööös. Aber normalerweise ist Fritzi sehr gepflegt und riecht in keinster Weise nach „Fuchs“ – ich bin gerade äußerst pikiert!

 

PS.: Das Viech auf dem Foto ist übrigens KEIN Eichhörnchen. Nur mal so zum Vergleich.


Liebes Tagebuch!

Hab verzweifelt versucht, Kea, Aahlke oder Eilsine anzurufen, um zu fragen, welche Mülltonne diese Woche „dran“ ist. Nach mehreren Anläufen hab ich die drei endlich in „Uschis Frisurenstübchen“ erwischt – da ist Dauerwelle heut im Angebot. Die Damen wollen sich für das anstehende Shopping-Event in der City so richtig fein machen.

Unsere Charme-Offensive „Mehr Lächeln für die STADT“ nimmt also sehr konkrete Formen an. Bleiben Sie dran – machen Sie mit! Fröhliche Grüße vom Deich!

 

 

(Ach ja – die „braune Tonne“ ist fällig, falls es Sie interessiert...!)                                                                                                                             


Liebes Tagebuch!

Irgendwie geht es mir gerade mal so gar nicht gut. Nun nimmt man ja von vornherein beim Updröögt-Bohnen-Essen gewisse nachfolgende Befindlichkeitsstörungen billigend in Kauf…aber mir ist schlecht vor Angst! Zu fortgeschrittener Stunde haben Kea, Aahlke und Eilsine nämlich einen echten „Ach-Du-Scheiße-oh-mein-Gott!“-Plan ausgebrütet, der mir schon die ganze Nacht Alpträume beschert hat. Bin eben völlig fertig über’n Hof geflitzt (dabei fast auf dem Igel ausgerutscht), hab in der Scheune alle Lampen angemacht und den Ghetto-Blaster volle Möhre aufgedreht … mit meinem selbstgemachten Sampler „Best of Heimwerker-Geräusche“, original mit Kreissägen-Solo und Bohrhammer-Beat. Das täuscht schon mal befriedigende hektische Betriebsamkeit vor und ich kann mich gefahrlos noch ein Stündchen zurückziehen, um über Möglichkeiten der Schadensbegrenzung nachzugrübeln.

 

PS.: Wenn Sie die ganzen grausamen Details wissen möchten und es Sie außerdem interessiert, was aus dem angeschmutzten Baumwoll-Handschuh geworden ist, klicken Sie bitte auf www.neulich-in-friesland.de den Deich-Blog an!


Liebes Tagebuch!

Gerade hatte ich beim Fotografieren auf dem Deich eine Begegnung der „brutal seltsamen Art“. Mitten aus dem nebeligen Nichts bricht ein versprengtes Touristen-Rudel in meine meditative Idylle und fragt äußerst schwer verständlich, was ich denn hier so mache. Tja. Ist das nun geografisch, sozial oder metaphysisch gemeint? Lange darüber nachdenken will ich aus Höflichkeit nicht, starte mit „Moin“ und reiße alle damit zu völlig unangemessenen Begeisterungsstürmen hin. Sie beginnen, mich zu streicheln, hüpfen (relativ) wild um mich herum und fordern dringlich mehrere Zugaben.  „…und getz ma in‘n Handy mit Fotto…mit dat janze Üdülle im Hinterjrund…DATT glaubt zuhause kein Mensch, sachma! Hömma, mach‘sse datt nochma, woll?!“ (Oder so ähnlich.)

Mentale Notiz: Unbedingt den Tourismus-Verband anrufen und mein brandneues Marketing-Konzept für die nächste Saison vorschlagen. Wie das aussieht? Original-Eingeborene im Friesen-Nerz und Gummistiefeln performen für ein noch näher zu bestimmendes Entgeld an festgelegten Deichkilometern nach einer eingängigen Choreografie den „Friesen-Dance“ mit dem einprägsamen Text „Schallallallalaaaaa … MOIN in the mooooorning  -  schallallallalaaaaa … MOIN in the eeeeevening…“!!! 

Bei uns hat Gastfreundschaft schließlich jahrhundertelange Tradition.


Liebes Tagebuch!

Jippiiiiiiiie! Gleich geht’s looohoooos…!!!  Nun muss ich nur noch ein paar Stündchen arbeiten und darf dann wieder zurück auf’s Dorf. Der Trecker ist schon voll beladen und parkt in „Flucht-Richtung“. Endlich habe ich auch mal daran gedacht, einen weißen Baumwollhandschuh mit deutlichen Staubspuren am Zeigefinger einzupacken. Wozu ich den brauche? Tja, wir sind morgen bei Kea zum „Updröögt-Bohnen-Essen“ eingeladen und ich hatte mir schon sooo lange vorgenommen, dieses CSI-verwertbare Schätzchen als Abschiedsgeschenk unübersehbar dort zu drapieren, wo es hinterher für stundenlanges Grübeln sorgt!!!

Fröhliche Grüße aus Friesland und ein witziges Wochenende für Sie alle!


Liebes Tagebuch!

So langsam bin ich schon wieder deich-reif. Das Stadtleben kann ganz schön anstrengend sein. Aufwändiger als auf’m Land ist es allemal. Bedenkt man nur mal den Zeitverlust, der sich durch das tägliche „Putzen“ und „Dekorieren“ für den Arbeitsalltag ergibt und nimmt die hochkonzentrierte Anstrengung dazu, beim Autofahren ständig ans Blinken zu denken, ist es eigentlich nur bedingt zumutbar. Also – auf Dauer wäre das nix für mich. Schon die ganzen Nebenkosten sind der Wahnsinn. Zu jedem  täglich wechselnden Stadt-Outfit gehört farblich abgestimmtes Zubehör. Außerdem müssen die dazu perfekt  passenden Schuhe her. Und am Deich? Nehme ich entweder DIE oder DIE ANDEREN, je nachdem, welche gerade trocken sind.

Friesland - mehr muss nicht sein…!


 

Liebes Tagebuch!

Wer hat eigentlich gesagt, dass das Landleben gemütlich und beschaulich ist? Dem würde ich ja wohl mal zu gerne eine reinhauen! Gerade tobt bei mir der absolute Deich-Wahnsinn…ich hüpfe panisch durch die Hütte und suche das heilige Uralt-Kochbuch (angeblich seit Jahrhunderten im Familienbesitz, handschriftliche Anmerkungen noch in Sütterlin-Schrift). Mein geliebter Gatte hat in aller Unschuld die lieben Nachbarn zu uns zum Grünkohl-Essen eingeladen…tja, und nun ist die Kacke am Dampfen! Da Sie ja nun meine äußerst eingeschränkten hausfraulichen Fähigkeiten zur Genüge kennen, bitte ich Sie dringend um Anteilnahme und Mitgefühl – und grüße in Erwartung einer mittelschweren Katastrophe live vom schönsten Ende der Welt!

(PS.: Es würde ja schon mal helfen, wenn ich wenigstens meine BRILLE finden würde…!)


Liebes Tagebuch!

Ganz gleich bald nachher in ein paar Stunden starte ich ins Wochenende. Unser Dorf liegt gerade mal 30 Kilometer außerhalb der Stadt, dafür aber in einer völlig anderen Welt. Darauf muss man natürlich entsprechend vorbereitet sein. (Einkaufslisten abgearbeitet? Reserve-Munition eingepackt? Impfschutz vollständig?) Mein geliebter Gatte und ich fragen uns gegenseitig vor jedem wöchentlichen „Take off“ routinemäßig die Checklisten mit den gern vergessenen Sachen (FFT…frequently forgotten things) ab. Die Grundlagen hierzu haben wir bei der NASA abgekupfert und nach unseren Bedürfnissen modifiziert…so sind wir doch (etwas) schneller vom Hof als das durchschnittliche Space Shuttle im Weltraum.

Sie dürfen also damit rechnen, dass ich ab 12.00 Uhr direkt vom heimatlichen Deich in Ihre Richtung winke und Ihnen allen ein richtig schickes Wochenende wünsche. Bleiben Sie neugierig auf frische Geschichten aus den unendlichen Weiten Frieslands „grüner Hölle“…ich werde live für Sie berichten!


Liebes Tagebuch!

Gestern war ein unglaublich schöner Tag. Nicht nur, dass ich die wöchentliche Nahrungssuche fast unbeschadet überstanden habe…nein, ich hatte auch eine richtig, richtig tolle Nachricht im virtuellen Briefkasten: Mein Deich-Blog ist jetzt im Radio. Sehen Sie selbst auf http://www.irabo.de/borkum-blog-83/neulich-in-friesland.html .

Ist das nicht der Hammer?! Vor lauter Freude war ich so flauschig, dass ich noch nicht mal dem aufdringlich baggernden Porsche-Fahrer auf dem Supermarkt-Parkplatz gesagt habe, was ich von ihm und seiner Karre halte (nämlich, dass ich noch nicht mal im dicksten Stau meine Zigarette aus’m Fenster raus auf SO WAS ausdrücken würde), sondern ihm tiefenentspannt grinsend einen lieben Gruß an seine Gattin zugerufen habe. Freuen Sie sich mit mir? Dankeschön für Ihr Interesse … ich winke einmal extra vom Deich!


Liebes Tagebuch!

Wenn „Einkaufs-Marathon“ jemals olympische Disziplin werden sollte, ist es mir recht … ich sitze jetzt schon in den Startlöchern. Bewaffnet mit 5 verschiedenen Wunsch-Listen, denen bedauerlicherweise der Tagesordnungspunkt „Persil-Sparpackung, 3 Stück“ gemein ist. Leider darf ich mit den tiefergelegten Baumarkt-Karren nicht mehr in den Fress-Markt rein. Über handelsübliche Abgabemengen diskutiere ich längst nicht mehr – ich regele das mit dem „Blick“. Sie können sich  gern jederzeit ausrechnen, wie viele „Durchläufe“ ich brauche, um den wöchentlichen Deich-Bedarf komplett und verkehrssicher im Trecker zu verstauen. Am besten ist, ich mache mich jetzt schon mal warm und wünsche Ihnen allen einen richtig schönen, stressfreien Mittwoch.


Liebes Tagebuch!

Nach einem Wochenende auf dem Land ist der erste Arbeitstag „in der Stadt“ immer eine ganzheitliche Herausforderung. Meine Mädels tun natürlich alles, um mir die Umgewöhnung zu erleichtern. Gern „erfreuen“ sie mich mit Anrufen - allesamt zu den unpassendsten Zeiten und mit Inhalten, die mir sonntags im Dorf noch durchaus sinnvoll erschienen wären. Inzwischen hab ich die Zahl der Telefonate auf zwei Stück pro Person und Tag begrenzt.  Nach Feierabend würde ich mich gern endlich mal den Annehmlichkeiten des zivilisierten Lebens hingeben –  zum Training gehen, die Kunsthalle besuchen oder den neuen Sushi-Laden ausprobieren. Andererseits bin ich moralisch geradezu verpflichtet, die vielzähligen „Fressgeschenke“ der Damen aktiv zu würdigen. Und während ich im Zucker-Rausch des Apfelkuchens noch so eben merke, wie sich meine Arterien mit der Buttercreme des Frankfurter Kranzes zusetzen, kriege ich schon am Montagabend den ersten Heimweh-Anfall nach Hause zum Deich.


Liebes Tagebuch!

Endlich weiß ich, woher der Begriff „Land-Flucht“ kommt. Gerade, als ich am verregneten Sonntagnachmittag den geliebten Gatten „satt“ und die Hütte „sauber“ hatte, sah ich schon wieder mal den geballten „Flash-Mob“ zum Tee anrücken. Bei Schietwetter kommen die Damen gern „Stadtmenschen gucken“. In Windeseile hab ich Mann und Gepäck ins Auto verfrachtet und konnte Kea, Aahlke und Eilsine schon mit laufendem Motor die Kuchenpakete abnehmen und „Tschüß“ sagen. So eine ausgedehnte Tee-Zeremonie bis Sonnenuntergang hätte mir gerade noch gefehlt. Leider trieb mein Fluchtreflex wieder einmal den Tacho hoch und ich muss gleich mal recherchieren, was es kostet, wenn man die unverbindlich empfohlene Mindestgeschwindigkeit um ungefähr die doppelte Mehrwertsteuer plus Allrad-Zuschlag überschritten hat. 


Liebes Tagebuch!

Gleich knallt’s am Deich! Nachbar Focko ist es leid, ab Oktober immer nur auf „Hugo“ zu ballern. (Hugo ist unser langjährig fronterfahrener Feldhasen-Senior … deutlich erkennbar am löchrigen Fell und dem „abben“ Ohr. Wir schießen natürlich nicht gezielt auf ihn, sondern geben allerhöchstens mal ein paar halbherzige Warnschüsse ab, weil wir ihn doch allein schon wegen seiner optischen Mieshaftigkeit total vermissen würden.)  Heute sind laut Focko ein paar Bisamratten „fällig“.

Ich werde gleich mal zum Zuggraben flitzen und meinen pelzigen Kumpels ein paar frische Apfelspalten mit Valium-Glasur vorbeibringen…dann verpieseln sich die Jungs (und Mädchen) in ihren Bau und verschlafen Fockos Feldzug hoffentlich unbeschadet.


Liebes Tagebuch!

Nacheinander haben Kea, Aahlke und Eilsine bei mir angerufen und mir vorgestöhnt, wiiiie viel Arbeit sie die ganze Woche hatten, um ihre Vorgärten auf „winterfest“ zu prügeln. Ach, diese Mühe…und die Schmeeerzen überall…! Hab natürlich umgehend bei unserem städtischen Pflanzen-Stylisten angerufen und einen floristischen Notfall geltend gemacht. Nachher kommt das botanische Sondereinsatzkommando und lädt mir den Trecker mit fertig bepflanzten Terrakotten voll. Die brauche ich heute Abend im Schutz der Dunkelheit nur noch vor der Hütte zu drapieren. Dazu morgen noch ein bisschen „fertig“ und „kaputt“ gucken … professionelles Landleben ist reine Übungssache!

Ich wünsche Ihnen allen einen fröhlichen Freitag!


Liebes Tagebuch!

Als ob Einkaufen nicht sowieso schon die Pest wäre, drängelt sich doch da gestern so ein Protz-Benz mit auswärtigem Kennzeichen ohne zu blinken in meine persönliche Lieblings-Parklücke. Grrrrrr! Natürlich hab ich gleich das Fenster heruntergelassen, ganz verliebt geguckt, gewinkt und dem fehlgeleiteten Besitzer einen dicken Luftkuss zugeworfen.

Nun – DAS hat seine gediegene eheliche Beifahrerin so gar nicht amüsiert…und ALLES, was ich ihm gewünscht habe, hatte er dann bestimmt zu Hause. (vielleicht sogar mit Zugabe)

Ich ärgere mich schließlich nicht selbst – ich LASSE ärgern!

 


Dienstag, 06.00 Uhr, mitten in Friesland

Gerade rief mich Tant‘ Kea an. Sie war aber heut nur „Zweiter“, Aahlke hatte gerade aufgelegt. Ich soll keinesfalls vergessen, ihr Freitag ein neues Roman-Heft mitzubringen. Mit ganz viel Liebe. Und `n Doktor soll drin vorkommen. Aber ohne Sex. Bisschen Knutschen ist  okay, wenn „sie sich kriegen“.  Nun muss ich gerade mal angestrengt überlegen, wohin ich fahre, damit mich keiner erkennt, wenn ich diese Landfrauen-Lektüre auf ihre Eignung prüfe. Wo war ich denn lange nicht? Bahnhofsbuchhandlung? Tankstelle in der Südstadt? Wo ist es am wenigsten peinlich???

So…viele liebe Grüße aus Friesland…und einen fröhlichen Tag für Sie alle!